Sprachtandem statt Engagement im Schulprojekt

Abschlussbericht von Hannah

Wie im letzten Update bereits angesprochen, verzögerte sich der Schulstart nach den Weihnachtsferien aufgrund von Corona nochmal erheblich, weshalb ich Anfang Januar 2021 begann, mich nach einem Ersatz-Engagement umzusehen. Nach ein paar Wochen und einigen gescheiterten Versuchen wurde ich dann auf das Online-Volunteering-Programm des Freiwilligen Zentrum Hamburg aufmerksam gemacht, wo ich fündig wurde. Das Engagement besteht hier darin, sich als Deutsch-Coach*in einmal oder mehrmals die Woche online mit jemandem zu treffen, der*die Deutsch als Fremdsprache lernt oder lernen möchte. Dabei geht es weniger um Grammatik oder „fehlerfreies“ Deutsch als um Aussprache und das Sprachgefühl.

Mein „Coachee“ ist vor sechs Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Die Vermittlung erfolgte per Zufallsprinzip über das Freiwilligenzentrum. Zu Beginn haben wir uns einmal mit Tina, der Vermittlerin, getroffen. Die restliche Organisation wurde dann uns selbst überlassen. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden und treffen uns nach wie vor regelmäßig online. Er erzählt mir dann viel von seinem Alltag sowohl hier in Deutschland als auch im Irak, was sehr interessant ist und auch eine enge persönliche Beziehung erschafft.

Rückblickend auf das Semester kann ich sagen: Auch wenn das ganze Engagement anders gelaufen ist als erwartet, bin ich sehr dankbar für die zahlreichen Erfahrungen, die ich über die letzten Monate machen durfte.

Kleines Update des Schulprojektes von In Via e.V.

Zwischenbericht von Hannah

Aufgrund von Corona wird sich der „richtige“ Start ins Engagement leider noch weiter verzögern, weil die Grundschulen noch mindestens bis zum 10. Januar 2021 geschlossen bleiben. Ich bedauere das sehr und fühle mich durch die ständigen Rückschläge ein bisschen demotiviert. Mit der Schulsozialarbeiterin bin ich aber weiterhin in Kontakt. Sie hält mich auf dem Laufenden und gibt Bescheid, sobald es Neuigkeiten geben sollte. Um trotzdem genügend Stunden in der Schule zu absolvieren, werde ich vermutlich donnerstags und freitags eingesetzt werden.

Wehmut statt Mutausbrüche

Abschlussbericht von Paula

Freude, Erleichterung, Gleichgültigkeit, oder vielleicht maximal ein kleines „Schade“ – das sind die Gefühle, die ich in der Regel nach Abschluss eines Unikurses verspüre, aber Wehmut!? Irgendwie weiß ich damit nicht so richtig etwas anzufangen. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich wahrscheinlich einfach noch nicht an genügend Kursen dieser Art teilgenommen habe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese im normalen Curriculum nach wie vor eher rar gesät sind.

„Ziviles Engagement und Studium verbinden“ bot eine großartige Plattform, um Gleich-gesinnte zusammenzubringen und sich mit Themen wie Zivilcourage und Solidarität auseinanderzusetzen – Themen, die in meinen Augen grundsätzlich Bestandteil der uni-versitären Lehre sein sollten, wenn eine Universität zu einer soli-darischen und starken Zivilgesellschaft beitragen möchte.

Aber spulen wir noch einmal zurück an den Anfang des Semesters. Eigentlich landete ich nämlich nur durch Zufall in diesem Seminar, nachdem eine andere Lehrveranstaltung bereits ausgebucht war. Eine anfängliche Skepsis kann ich kaum leugnen, da ich zunächst überhaupt keine Vorstellung davon hatte, wie so ein Seminar aussehen sollte. Ich wurde jedoch rasch eines Besseren belehrt.

Erstaunlich schnell landete ich im Projekt der Zinnschmelze „Halt! In Zeiten der Erschütterung“. Obwohl mich daran ursprünglich inhaltliche Schwerpunkte wie Rechts-populismus und struktureller Rassismus in Deutschland interessiert hatten, war es rückblickend eine glückliche Fügung, auch einmal Einblicke in die mir vergleichsweise unbekannt-eren Gefilde der deutschen Kulturszene erhaschen zu können.

Ein Tandemprojekt wird zur Freundschaft

Abschlussbericht von Anna

Es war wirklich nicht leicht sich in die Welt des Freiwilligenengagements einzufinden, die Vorstellungen der anderen Teilnehmer*innen haben mir jedoch sehr dabei geholfen mich zu orientieren. Ich hätte sehr gerne noch viel mehr mit ihnen diskutiert und ich hätte sie gerne alle einmal live kennengelernt. Es war oft sehr anstrengend alles unter einen Hut zu bekommen, das Semester war insgesamt kräftezehrend, besonders weil man wenig Ausgleich gefunden hat.

Ich denke, wenn Corona nicht gewesen wäre, hätte ich mehr Herzblut in dieses Projekt stecken können. Das bedauere ich sehr. Es fühlt sich ziemlich scheiße an, wenn man an allen Ecken und Enden daran gehindert wird zu helfen. Man fühlt sich hilflos und auch etwas nutzlos. Es macht mich sauer und verzweifelt und es beweist mir einmal mehr, was dieser sogenannte ,,Sozialstaat‘‘ so alles falsch macht. Schade, ich hätte gerne ein wenig Hoffnung darin gefunden. Diese habe ich jedoch bei den Teilnehmer*innen und den Organisationen gefunden, es ist schön zu sehen, dass viele Menschen meine Gedankengänge teilen und so viel Kraft und Liebe in alle möglichen Projekte stecken. Es ist ermutigend zu sehen, dass es doch viele Organisationen gibt, die sich für alle möglichen vom Staat vergessenen Probleme einsetzen. Ich denke, die Möglichkeit Netzwerke zu bauen, neue Ideen zu entwerfen etc. wäre ohne Corona weitaus größer ist, das find ich sehr schade.

Ich kann mein Projekt kaum noch als Projekt bezeichnen, es ist viel mehr so, dass ich einer Freundin helfe und sie mir. Ich möchte gerne an weiteren Projekten teilnehmen und ich habe das Gefühl, dass ich durch das Projekt besser weiß, wie Freiwilligenarbeit funktioniert und bewusster an die Wahl eines Projektes herangehen kann. Ich kann jetzt besser einschätzen, wo und wie Hilfe angebracht ist und wo und wie nicht. Was wirklich hilft und was vielleicht den falschen Menschen hilft. Zudem habe ich viele Anlaufstellen kennengelernt, bin sensibler für mein eigenes Verhalten gegenüber Menschen geworden, die Hilfe in Anspruch nehmen möchten und habe mehr Respekt und Verständnis gegenüber anderen Lebensweisen erlangt. Ich habe meine schnellen Urteile ein großes Stück zurückschrauben können und hinterfrage meine Gedankengänge kritisch. Durch das Projekt habe ich meiner Meinung nach einen großes Stück Entwicklung gewonnen. Es hat mir in einem halben Jahr die großen Fallen des freiwilligen Engagements gezeigt, wie ich damit umgehe, welche Projekte es gibt, wo wir freie Räume haben und, und, und… Ich bin sehr dankbar für all diese Erfahrungen und Denkanstöße. Es war sehr schön alle diese Menschen und Möglichkeiten kennen zu lernen. Vielen Dank für diesen schönen Einblick!!!

Zwischenbericht aus dem Tandemprojekt der FHH

Beitrag von Anna

Meine neue Freundin (Tandempartnerin) hat ihren B2 Kurs bestanden. Juhuuuu! Nun nimmt sie bis Juni an Projekt Pina teil. Dieses richtet sich an Pädagogische Fachkräfte, um fachspezifische Sprache zu lernen. Es macht ihr Spaß, doch sie ist sich unsicher, ob sie so gut mit Kindern umgehen kann.  In Syrien hat sie nur mit erwachsenen Menschen gearbeitet. Wir telefonieren immer noch sehr regelmäßig, auch wenn wir beide mittlerweile sehr müde geworden sind und uns endlich mal persönlich treffen wollen. Nun da Lockerungen begonnen haben bin ich leider wegen meines Berufspraktikums nicht in Hamburg und wir müssen uns noch etwas gedulden. Schön blöd das ich genau zum Ramadan zurück komme. Dann muss ich wohl nachts zum Essen kommen oder wir unternehmen etwas anderes. Es tut immer sehr gut mit meiner neuen Freundin zu sprechen und es freut mich sehr zu hören, dass sie große Fortschritte macht. Es ist toll über eine andere Lebensweise mehr zu erfahren und dazuzulernen wie an anderen Orten dieser Welt gelebt wird. Was für Menschen außerhalb meiner Blase wichtig sein kann und dass es nicht die eine richtige Ansicht oder die eine richtige Art und Weise gibt. Ich beginne Dinge zu verstehen die ich lange sehr verurteilt habe. Sie merkt wenn bei mir etwas nicht stimmt und fragt nach, ich finde es wirklich bewundernswert so etwas über den Bildschirm zu merken. Es ist ein schönes Gefühl in dieser schwierigen Zeit einen neuen Menschen als Freundin zu gewinnen und auch ihre Geschichte, in die sie mir Stück für Stück einen Einblick erlaubt, gibt mir Kraft, weil sie mir ihr Vertrauen schenkt. Insbesondere in dieser Zeit in der man mit fortlaufender Dauer seine Kraft verliert. Sie sagt mir immer wieder, dass ich alles schaffen kann und wenn ich sehe was sie gerade tut gewinne ich den Glauben daran zurück. Ich bin immer noch fasziniert von ihrer Zielstrebigkeit. Unser Verhältnis geht mittlerweile weit über das Projekt hinaus, wir sind Freundinnen geworden. Sie hat mir erzählt, dass sie gerne einen Schwimmkurs belegen möchte und wir haben uns darauf geeinigt uns sobald es wieder möglich ist zusammen einen Kurs zu suchen. Darauf freue ich mich sehr!

Abschlussbericht des Patenprojektes „Connect“ von basis & woge e.V.

Abschlussbericht von Lea

In den letzten Wochen hat sich in meinem Engagement nicht viel verändert. Mein Mentee und ich treffen uns nach wie vor einmal wöchentlich und gehen spazieren und / oder kochen gemeinsam. Die kleine Wanderung, bzw. Fahrradtour in Hamburg und Umgebung haben wir leider doch noch nicht geschafft. In der frühlingshaften Februarwoche hatte ich nicht genügend Zeit und danach war es doch sehr regnerisch an den Wochenenden. Aber das wird auf jeden Fall noch nachgeholt.

Rückblickend war es besonders zu Beginn des Semesters doch eine Herausforderung. Ein Projekt in kurzer Zeit zu finden, war schwieriger als gedacht. Da war Corona natürlich nicht von Vorteil. Auch mit den Aktivitäten war es durch Corona deutlich schwieriger, da nur wenige Tätigkeiten möglich waren Wir haben einmal ein digitales Treffen ausprobiert, da ich zu der Zeit nicht in Hamburg war. Da hatte ich aber das Gefühl, dass das meinem Mentee unangenehm war und das Gespräch war dann auch ziemlich schnell wieder vorbei. Da ich die restliche Zeit immer in Hamburg war, haben wir uns dann lieber persönlich getroffen und unter der Woche über WhatsApp kommuniziert. Ende März werde ich noch einmal den Versuch mit einem digitalen Treffen wagen. Vielleicht finde ich ein cooles Online-Spiel oder Ähnliches, das wir dann gemeinsam spielen können.

Ich muss zugeben, dass ich mir das Engagement zuerst etwas anders vorgestellt habe. Ich dachte, dass mein Mentee mehr Fragen (bzgl. der Kultur, Deutsch, …) oder Wünsche hat. Tatsächlich war das kaum der Fall. Ich hatte dann vor allem zu Beginn das Gefühl, dass von seiner Seite aus kein Interesse da ist und dass ich nicht wirklich helfen kann. Zum Teil war dieses Gefühl wahrscheinlich auch der Corona-Situation verschuldet, da die Treffen doch immer relativ ähnlich verliefen und ich ihm dann auch kaum „Neues“ zeigen konnte. Mit der Zeit hat sich mein Mentee aber ein bisschen geöffnet, was die Situation auf jeden Fall verbessert hat. Mittlerweile bin ich mir relativ sicher, dass M. auch froh ist, wenn wir uns einfach nur treffen und quatschen. Da haben mir die Erfahrungsberichte der anderen Studierenden im Seminar auf jeden Fall geholfen.

Mein Engagement werde ich auf jeden Fall weitermachen und freue mich auf den Sommer und das gute Wetter, sodass man sich länger draußen aufhalten und auch etwas mehr unternehmen kann.