Über den Tellerrand Kochen und Tandem-Projekt Hamburg – zwei Projekte mit und für Menschen mit Fluchterfahrung

Zwischenbericht von Hanna S.

Für beide Projekte, Tandem und Über den Tellerrand Kochen, war es jeweils ein ganz schöner und stimmungsvoller Jahresausklang. Natürlich immer im Kontext der Coronasituation gesehen, in der viele Dinge nicht so ohne weiteres möglich waren bzw. sind. Aber wir haben jeweils das Beste draus gemacht!

Jahresrückblick 2020: Tandem-Highlights
Insta-Story: Punsch kochen

In der Woche vor Weihnachten hat uns außerdem die gute Nachricht erreicht, dass die Förderung für das Tandem-Projekt auch 2021 weiter geht. Besonders gefreut hat mich auch, dass wir im Dezember noch einige Patenschaften vermitteln konnten, unter anderem mit Mentor*innen aus diesem Seminar. Die ersten Eindrücke verliefen positiv und ich hoffe natürlich, dass es sich so auch weiterentwickelt 🙂

Zum Jahresabschluss hatten meine Projektkollegin und ich noch eine kleine Bildergalerie mit Highlights aus 2020 zusammengestellt. Das hat richtig gutgetan, sich die vielen positiven Momente und Erfolge nochmal zu vergegenwärtigen, die es in diesem außergewöhnlichen und ja auch sehr schwierigen Jahr gab. In der jetzigen Woche haben wir die Arbeit wieder aufgenommen und ich bin sehr gespannt, was das neue Jahr alles bringen wird. Wir bleiben trotz des aktuellen Lockdowns weiterhin zuversichtlich.

Punsch-Rezept

Bei Über den Tellerrand sind wir zwar auch grundsätzlich optimistisch, aber es bleibt ambivalent. Es macht sich schon deutlich bemerkbar, dass das gemeinsame Kochen und sich in echt treffen fehlen und dass viele kein Interesse an den Online-Alternativen haben. Andererseits sind dadurch auch wieder neue Teilnehmer*innen dazu gekommen, zum Teil auch aus anderen Städten und Ländern. So zum Beispiel beim Online-Punschkochkurs-Sprachcafé am 4. Advent, das ich mit einer anderen Ehrenamtlichen zusammen moderiert habe. Ich glaube, wir waren insgesamt 10 oder 12 Leute, davon haben nur zwei live mitgekocht 😉 Aber ein gemütlicher Nachmittag war es trotzdem und anschließend ergaben sich einige schöne Gespräche. Was ja auch die eigentliche Idee des Formats ist, Gelegenheit zum Deutsch sprechen und sich auszutauschen. Ein kleines Highlight fand ich außerdem das Überraschungspäckchen, das alle Ehrenamtlichen von unserer hauptamtlichen Projektkoordinatorin zu Weihnachten per Post bekommen haben.

Kleines Dankeschön für die Ehrenamtlichen

Ein motivierendes Dankeschön und ein schönes Gefühl, auch in dieser seltsamen Zeit Teil einer so tollen Community zu sein. Nächste Woche treffen wir uns zum 1. virtuellen Team-Treffen in 2021 und ich bin gespannt, was wir im neuen Jahr gemeinsam auf die Beine stellen werden.

Tandemprojekt bei die Insel hilft e.V. – Zwischenbericht

Beitrag von Jana

Nun ist schon etwas Zeit vergangen, seit ich in mein Engagement gestartet bin und meine Tandempartnerin das erste Mal getroffen habe. Wir haben uns die letzten Wochen virtuell getroffen und da uns so der Lockdown nicht weiter eingeschränkt hat, also weitergemacht wie bisher. Bei unseren Treffen tauschen wir uns vor allem über den von meiner Tandempartnerin Sara* besuchten Kurs aus. Dabei sind die Themen aber ganz unterschiedlich von Spezifischem aus den Erziehungswissenschaften bis zum Verzweifeln über die deutsche Grammatik.

Leider konnten wir uns nicht so regelmäßig treffen, wie wir es uns beide gewünscht hatten. Dabei standen uns vor allem Alltagsstress und Krankheit im Weg. Auch wenn uns beides einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, haben wir uns trotzdem sehen können und hoffen natürlich, dass wir einen guten Start ins neue Jahr haben und so vielleicht etwas mehr Regelmäßigkeit und Ruhe bei uns beiden einkehrt.

*geänderter Name

Tandem mit Nassima

Moin!

Ich bin Julika und studiere seit diesem Semester Ethnologie im Haupt- und Erziehungswissenschaft im Nebenfach an der Uni Hamburg. Während meiner Schulzeit habe ich im Rahmen des “UNICEF Juniorbotschafter-Projekts” mit Geflüchteten zusammengearbeitet. Gemeinsam mit Mitschüler*innen habe ich ein Weihnachts- und Sommerfest organisiert, bin zu Rathaussitzungen gegangen, in denen Integrationsmodelle besprochen wurden und habe bei der Kinderbetreuung des Sprachkurses ausgeholfen, damit auch Eltern mit kleineren Kindern teilnehmen konnten. Diese Arbeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und deshalb wollte ich unbedingt wieder an einem Projekt mit geflüchteten Menschen teilnehmen.

Deshalb hat mir „Die Insel hilft e.V.“ sofort gefallen. Besonders angesprochen hat mich, dass es dort vor allem einen beidseitigen Austausch gibt. Da ich immer an neuen Geschichten und Sichtweisen interessiert bin, freue ich mich darauf besonders. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden mich für ein Tandem zu bewerben. Nach einigen Mails und einem Zoom-Gespräch habe ich einen Termin bekommen, bei dem ich zum ersten Mal meine Tandem-Partnerin kennenlernen konnte.

Bei meinem ersten Online Treffen mit Nassima* war Hannah, die schon länger bei “Die Insel hilft” aktiv ist, auch mit dabei, um das Gespräch zu leiten. Wir haben uns ein wenig beschnuppern können und danach die Kontaktdaten ausgetauscht.

Ein paar Tage später haben wir uns das erste Mal zum telefonieren verabredet. Dabei haben wir besprochen, dass wir uns erst einmal nur online treffen, aber sobald es wieder möglich ist, wollen wir uns auch persönlich sehen. Nassima ist es vor allem wichtig, regelmäßig deutsch zu sprechen. Da sie im Moment nur Zeit mit ihrer Familie verbringt und es schwer ist, Menschen zu treffen, hat sie sich für das Tandem-Projekt angemeldet. Ich habe es sehr genossen mit ihr zu telefonieren. Sie hat eine freundliche, offene Persönlichkeit und redet genau so gerne und viel wie ich. Ich habe mich besonders gefreut, dass sie mir so viele Fragen über ihre Kindheit im Iran und ihre Familie in Afghanistan beantwortet hat. Ich weiß kaum etwas über diese Länder und finde es deshalb besonders schön, persönliche Geschichten zu hören. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich dabei auch mehr über mich selber lernen kann. Wir haben zum Beispiel über Weihnachten gesprochen und ich bin davon ausgegangen, dass sie das auch feiern wird. Dies ist aber nicht der Fall. Nassima hat mir dann viele Fragen zu dem Fest gestellt und wie ich es feiern werde. Das hat mir wieder einmal vor Augen gehalten, dass das, was ich als „normal“ betrachte für andere Menschen ungewöhnlich ist und andersherum. Eine kleine Erinnerung daran, dass ich nicht von mir auf andere schließen sollte, wie man so schön sagt. Genau aus diesem Grund freue ich mich schon auf die weiteren Treffen und darauf neues von Nassima, aber auch über mich zu lernen.

(*) Name geändert

Über den Tellerrand Kochen und Tandem-Projekt Hamburg – zwei Projekte mit und für Menschen mit Fluchterfahrung

Beitrag von Hanna S.

Normalerweise würdet ihr jetzt hier meinen Videobeitrag aus den Wilhelmsburger Zinnwerken sehen, mit ca. 20-30 fröhlichen Menschen jeglicher Herkunft und einer langen, schön gedeckten Tafel, dazu Geschirrklappern, Lachen und Gejohle hören, zwischendurch vielleicht das leise Plopp eines Tischtennisballs und einige lustige O-Töne. „Normalerweise“ das ist ja mittlerweile das Synonym für „vor Corona“. In diesem Jahr hat sich viel verändert für das Integrations-Projekt Über den Tellerrand Kochen. Deshalb habe ich mich nun doch für einen Text-/Bildbeitrag entschieden.

Ich bin Hanna, 41, studiere seit diesem Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaft mit NF Empirische Kulturwissenschaft und bin bei „Tellerrand“ als Teil des Hamburger Orga-Teams seit knapp vier Jahren ehrenamtlich aktiv. Wir sind ein sehr bunter Haufen von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung, die „normalerweise“ an vier Standorten im Stadtgebiet regelmäßig Kochevents veranstalten, um alteingesessene und neu zugezogene Hamburger*innen aus aller Welt zusammen zu bringen. Gerne stelle ich das Projekt, das es bundesweit gibt, bei meinem Input im Februar noch ausführlicher vor.

So weit so unnormal also. Denn seit März 2020 mussten wir den Kochbetrieb einstellen und erstmal alles absagen. Schnell sind wir auf alternative Online-Formate und Social Media-Aktionen umgestiegen und haben die Sommerzeit z.B. für Picknicks und schöne Wanderungen genutzt, als sich Gruppen zumindest mit Abstand wieder treffen durften. Denn das ist ja unser eigentliches Hauptanliegen: dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Kontakte knüpfen. Corona trifft viele hart, aber besonders die, die aufgrund geringer Sprachkenntnisse oder ohne richtigen Job und ohne Familie hier ohnehin isoliert und mit nur wenig Sozialkontakt leben.

Seit November sind wir nun wieder auf Online-Events umgestiegen. Es ist definitiv nicht dasselbe wie in echt, hat aber auch seine eigenen Reize und Vorteile. Zum Beispiel schalten sich oft Leute aus ganz unterschiedlichen Orten dazu, da wir viel Werbung auf facebook und instagram machen. Wir bieten verschiedene Kochformate an wie gemeinsames Online-Dining zu einem bestimmten Thema (im November gab´s alles „Rund um Auberginen“) oder Online-Kochkurse (im November einen für „Pirozhki“, diesen Kurs moderierte ich zusammen mit meiner belarussischen Projektkollegin, und „Stollen-Backen“). Was auch sehr viel Spaß macht ist das Online-Sprachcafé, das nun wöchentlich gemeinsam mit dem Tandem-Projekt Hamburg veranstaltet wird. Dieses Mentoring-Projekt gehört wie Über den Tellerrand Kochen zum Trägerverein Die Insel Hilft e.V.

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Engagiert im Tandemprojekt von Die Insel hilft e.V.

Hallo alle zusammen,

ich bin Jana, komme aus Schleswig-Holstein und studiere an der Universität Hamburg. In meiner Schulzeit habe ich bereits im Rahmen eines Projektes Deutschunterricht für Geflüchtete gegeben. Jetzt wo ich studiere, will ich mir schon länger wieder eine ehrenamtliche Tätigkeit suchen, weshalb ich mich auch für dieses Seminar entschieden habe.

Ich engagiere mich jetzt im Tandem-Projekt des Die Insel hilft e.V.. Das Tandem besteht aus einer Muttersprachler*in oder gut deutschsprechenden Person und einer Person mit Fluchterfahrung. Im Tandem trifft man sich regelmäßig, unternimmt etwas gemeinsam und spricht auf Deutsch. Dabei geht es sowohl um das Sprachenlernen wie auch den Austausch an sich.

Der Einstieg ins Engagement lief sehr gut. Ich habe auf meine Anfrage per E-Mail sehr schnell eine Antwort bekommen und wir haben einen zeitnahen Termin zum kennenlernen über Zoom abgemacht. Dabei habe ich mich mit einer Organisatorin von Die Insel hilft e.V. unterhalten. Es ging einmal um das Projekt im Allgemeinen aber auch um meine Erwartungen und Interessen, damit ein passendes Tandem gefunden werden kann. Sie hat mir ebenfalls von dem Sprachcafé von Die Insel hilft e.V. erzählt, das zurzeit wöchentlich über Zoom stattfindet. Daran habe ich auch bis jetzt zweimal teilgenommen.

Später wurde ich dann an meine Tandempartnerin Sara (*) vermittelt, die ich schon aus dem Sprachcafé kannte. Wir haben uns erst zu dritt über Zoom getroffen und dann Termine zu zweit abgemacht. Zunächst treffen wir uns aufgrund der aktuellen Gegebenheiten über Videoanrufe.

Bei unseren Treffen hat sich Sara gewünscht, dass wir vor allem Inhalte eines Kurses, den sie besucht, durchsprechen. Unsere Treffen liefen sehr gut und wir telefonieren jedes Mal in etwa eine Stunde. Zum Beispiel sprechen wir Hausaufgaben durch oder noch einmal über Fachbegriffe, die ich versuche ihr auf Deutsch zu erklären. Dass es sich nicht immer einfach gestaltet, habe ich zum Beispiel gemerkt, als ich versucht habe das Wort „Enkulturation“ zu erklären. Bis jetzt haben wir aber alle Unverständnisse aus dem Weg räumen können.

(*) geänderter Name