Tandem mit einem Mädchen aus dem Iran

Zwischenbericht von Julianne Juanitas

Mein Einstieg in das Engagement verlief zuerst super schnell und einfach. Nach einem Anruf bei der Flüchtlingshilfe Harvestehude und einem ausführlichem Gespräch über das Patenschaftsprojekt, einer kleinen Vorstellung meinerseits und meines Tandem-Partners, hieß es, dass die Lehrerin des Jungen sich nun mit mir in Kontakt setzen werde und ich dann alles weitere mit ihr abklären könnte. Dies alles war Anfang November 2020.

Tja, so einfach und schnell das alles schien, war es leider doch nicht. Nach vermehrten unbeantworteten Emails und Anrufen an die Organisation, wann sich die Lehrerin denn melden würde, bekam ich Ende Dezember endlich einen Rückruf. Leider haben sie nichts mehr von ihr gehört und konnten daher den Jungen nicht vermitteln. Dennoch hatte die Organisation ein anderes Mädchen, Jasmin, 18 Jahre alt, geflohen aus dem Iran, die auch noch eine*n Patin*en suchte. Natürlich habe ich nicht gezögert und direkt zugesagt. Jasmins Deutschlehrer hatte sie an die Organisation vermittelt und wollte daher erstmal ein kurzes Gespräch mit mir führen. Angeblich hätte er schon ein paar Erfahrungen gemacht mit älteren Damen, die diese Patenschaft mehr für sich und ihr Mehrwertgefühl gemacht haben und dadurch leicht übergriffig wurden, indem sie sich zu sehr in Privates eingemischt hatten. 

Nach einem nettem Gespräch mit dem Deutschlehrer habe ich Jasmins Kontaktdaten bekommen und er ihr meine weitergeschickt. Jasmin hat sich danach direkt bei mir gemeldet und wir haben uns verabredet für einen Spaziergang an der Alster für den 20.12.2020.  

Das Treffen verlief super und wir haben uns sehr gut verstanden. So gut, dass uns die Kälte egal war und wir ganze vier Stunden spazieren waren. Jasmin hat mir direkt von Anfang an sehr viel über sich und ihre Lebensgeschichte erzählt. Selbst sehr persönliche, traumatische Erlebnisse. Ich habe ihrerseits direkt eine tiefe Vertrautheit empfunden und ich fand es schön, dass sie mir diesen Vertrauensvorschuss gab. Ihr ist es wichtig, dass ich sie so gut es geht kennenlerne und dazu gehöre nunmal ihre Geschichte. Dieses Treffen und dieser Vertrauensvorschuss ist meiner Meinung nach ein schöner Erfolg , auf dem man sehr gut aufbauen kann.

Obwohl sie erst seit August 2020 in Deutschland ist, ist ihr Deutsch sehr klar und fast fehlerfrei, sie ist sehr ehrgeizig ihre Ziele zu erreichen. 

Zudem möchte sie ihren 8-jährigen Bruder  nach Deutschland holen, der tragischerweise immer noch in einem Kinderheim in Griechenland ist. Um dies zu schaffen, muss sie einen Ausbildungsplatz nachweisen können, mit geregeltem Einkommen und einer festen Bleibe. Ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau fängt sie deshalb ab Februar an. Ich finde es unglaublich inspirierend, wie sie es meistert, mit so einem harten Schicksal trotzdem noch so eine unfassbar ambitionierte, starke Person zu sein, die sich von nichts und niemandem runterziehen lässt. Auch ich kann noch sehr viel von ihr lernen und bin sehr gespannt, wie sich die Tandembeziehung weiterentwickelt.

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