Herzliches Lokstedt

Beitrag von Dalila

Heute vor drei Monaten begann meine Reise ins soziale Engagement. Zunächst war ich sehr zurückhaltend, da ich eine unterdrückte Abwehrhaltung fühlte, ob es die Angst gegenüber den Menschen war, die ich kennenzulernen vermochte, oder möglicherweise die Ablehnung der Unterstützung, ich weiß es bis heute nicht. Doch ich kann sagen, dass dieses Gefühl seit dem ersten Tag in der Unterkunft verflogen ist.

In den letzten drei Monaten konnte ich viele Eindrücke sammeln, mit denen ich sonst sicherlich nicht konfrontiert gewesen wäre. Zum Beispiel war ich als Begleitung in die Flüchtlingsambulanz zur Trauma-Therapie dabei. Über die Wochen habe ich eine Patenschaft aufgebaut und gefestigt. Zurzeit liegt der Fokus meiner Unterstützung durch meine Sprachkenntnisse zum einen auf der Begleitung von geflüchteten Menschen zu Arztterminen und Ämtern. Zum anderen unterstütze ich bei der Corona-bedingt wöchentlichen Abfrage der Notfallbetreuung der Schulen in der Unterkunft bei den Familien.

Durch die umstrukturierte und etwas schwierige Lage während der Corona-Pandemie musste der Verein Herzliches Lokstedt umdenken und schauen, wo welche Hürden und Probleme liegen, um gezielt auszuhelfen. Da das gemeinsame Miteinander auf engen Räumen nicht mehr möglich war, haben wir die Idee mit dem „Hof-Café“ in der Grelckstraße ins Leben gerufen. Menschen mit Fluchterfahrung aus der Unterkunft im Alma-Ohlmann-Weg konnten bei unserer wöchentlichen Abfrage Termine wählen, um Ihre Anliegen im Café zu bearbeiten. Von Kindergeldanträgen über Deutschunterricht bis hin zur üblichen Behördenpost.

Auch wenn die Neuinfektionen und der Inzidenzwert es zurzeit nicht bestätigen, bin ich zuversichtlich, dass wir ab September 2021 wieder einige Begegnungsangebote im kleinen Rahmen ermöglichen können und freue mich auch hier Teil des Herzliches Lokstedt e.V. zu sein.

Um jedoch unsere derzeitigen Angebote so vielfältig wie möglich zu halten, haben wir einen Abfragebogen auf Deutsch/Farsi und Deutsch/Arabisch entworfen, um den Geflüchteten die Auswahl und Möglichkeiten zu bieten, selber zu entscheiden, wo sie Hilfe benötigen. Unsere Angebote sind breit gefächert – von der Hilfe bei der Sortierung von Dokumenten und Ordnern, über das Beantragen von WLAN für Zuhause bis hin zur Einrichtung von -Mail-Postfächern.

Ein großes Projekt, welches sich gerade noch in den Startlöchern befindet, sind unsere Erklärvideos, die ohne die derzeitige Lage wahrscheinlich nicht so schnell umgesetzt worden wären. In diesen Videos erklären wir anhand eines Formulars (z.B. Anmeldung des neuen Schuljahres) zweisprachig, wie dieses auszufüllen ist. Somit können wir uns an die Corona-Regelungen halten und bieten den Menschen eine Art Tutorial, wie sie es selber Schritt für Schritt lernen.

Im Großen und Ganzen haben wir trotz der Einschränkungen der Begegnungsangebote etc. viel, wenn nicht sogar mehr Arbeit. Dennoch muss ich sagen, dass ich sehr dankbar bin, zu diesem Zeitpunkt beim Herzlichen Lokstedt beigetreten zu sein, da ich einen sehr guten und umfangreichen Einblick in die Arbeit des Vereins hinter den Kulissen bekommen habe. Der Fokus unserer Arbeit liegt nun bei der Unterstützung der Geflüchteten im Alltag. Somit konnte ich zwei Patenschaften übernehmen und stehe im engen Kontakt mit den Familien.

Meine anfängliche Motivation diesem Seminar beizutreten und Teil eines sozialen Engagements zu werden, hat sich durch die erbrachte Erfahrung nur bestätigt und gefestigt. Ein kleiner Teil eines Vereins zu sein, der den Menschen jedoch einen erheblichen Mehrwert und Freude im Leben ermöglichen kann, ist einfach nur schön. Die Arbeit im Verein verdeutlicht mir jeden Tag, wie glücklich und zufrieden wir Menschen in Europa sein sollten bzw. welches Privileg wir haben auf dieser Welt zu sein. Außerdem darf ich jeden Tag erfahren, welche Stärke und Lebenslust in diesen Menschen steckt und steigt, ein besseres erfülltes Leben in Sicherheit und Unabhängigkeit zu leben.

Für mich wird die Erfahrung und Reise mit dem Verein „Herzliches Lokstedt“ weitergehen. Um mich weiterzuentwickeln, nehme ich in den kommenden Wochen an Online-Fortbildungen der Diakonie Hamburg zu den Themen Migrationsrecht, Ausländerecht, EU-Zuwanderung und Einführung in das Asylverfahren teil, um mich bei meinen Aufgaben als Patin, Unterstützerin/Ehrenamtliche und Dolmetscherin weiterzubilden und zu stärken. Seit dieser Woche durfte ich als Vertreterin vom Herzlichen Lokstedt an der „Lokstedter Runde“ teilnehmen (online, per Zoom). Dort kommen wichtige Institutionen aus Lokstedt und Umgebung zusammen und planen das Miteinander und die Zusammenarbeit im Stadtteil. Neben der Diakonie Hamburg nimmt das Bürgerhaus und Bezirksamt Lokstedt, das Bündnis für Familien, Vertreter der Lenzsiedlung, die Kirchengemeinde Lokstedt, das DRK Eltern-Café und Vertreter der SPD und der Grünen Lokstedt teil.

Schließlich wurde mir durch meine geleistete Arbeit das Angebot gemacht, als Werkstudentin (Projektmitarbeiterin) im Verein tätig zu werden, um einen größeren Einfluss in der organisatorischen Arbeit und Projektarbeit zu ausüben zu können. Abschließend lässt sich sagen, dass ich sehr glücklich bin, die Möglichkeit durch das Seminar erhalten zu haben und finde es sehr schade, dass dies ab dem nächsten Semester nicht mehr zur Verfügung steht. Ich kann nur nochmal betonen, wie toll und bereichernd diese Arbeit für mich ist und kann es jeder Person empfehlen, die einen Teil zur Verbesserung und Stärkung der Gesellschaft beitragen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.