Es hat sich einiges verändert bei Leben mit Behinderung in Hamburg

Abschlussbericht von Julia

Seit dem letzten Zwischenbericht hat sich in der Hausgemeinschaft wieder eine Menge verändert. Erste Reisen konnten stattfinden, die Bewohner:innen durften wieder alleine einkaufen und kleine Shopping-Touren machen. Die Mitarbeiter:innen haben wieder den Dienst aufgenommen, wenn auch bei den meisten nur die halbe Woche. Es durfte wieder Besuch kommen, es war den Bewohner:innen wieder möglich außerhalb der Einrichtung zu übernachten und ganz zum Schluss ist dann auch noch eine neue Bewohnerin eingezogen.

Viele Änderungen in kurzer Zeit. Für mich insofern schön, als dass wieder weniger los war und alle nochmal wieder mehr Ansprechpartner:innen außerhalb der Wohngemeinschaft hatten. Also eigentlich alles positiv bis auf die vom Träger vorgeschriebenen Besuchsregeln, für deren Einhaltung ich auf einmal verantwortlich war.

Was erstmal gut klang, wurde am Ende zu einer Herausforderung. Die Vorgaben beinhalteten, dass jede:r Besucher:in den Besuch vorher anmelden und sich dann im Büro melden musste, um (wie zu Corona-Zeiten in Restaurants üblich) seine/ihre Adresse, Telefonnummer… auf einem Besucher:innen-Formular zu hinterlassen und mit einer Unterschrift zu bestätigen, dass er/sie in letzter Zeit keinen Kontakt zu positiv auf Corona getesteten Menschen hatte.

Des Weiteren beinhalteten die Besuchsregeln, dass jeweils nur eine Person zu Besuch kommt (nicht mehrere gleichzeitig), dass die Besucher:innen während ihres Aufenthalts in der Wohngemeinschaft Masken tragen, sich möglichst nicht in Gemeinschaftsräumen aufhalten und dass nur feste Partner:innen über Nacht bleiben dürfen.

Klang für mich erstmal nicht so kompliziert, doch als sich die ersten Besucher:innen nicht an die Maskenpflicht hielten, sich in Gemeinschaftsräumen aufhielten und sich weder an- noch abmeldeten, fühlte ich mich genauso überfordert wie in den Momenten, als zwei Bewohner:innen mir alle zwei Wochen erzählten, dass ihr „neuer“ Freund heute Nacht bei ihnen schlafen würde. Das stellte mich oft vor einen inneren Konflikt.

Auf der einen Seite hatte ich die Pflicht dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden, auf der anderen Seite konnte ich auch verstehen, dass so manche Regel für die Besucher:innen keinen Sinn ergibt. Warum sollten sie im Zimmer ihrer Angehörigen eine Maske tragen, wenn diese vor zwei Tagen bei ihnen übernachtet hat und dort keine Maske tragen musste? Und welches Argument habe ich, um zu verbieten, dass der dritte neue Freund in der Wohngemeinschaft übernachtet, wenn die Regeln besagen, dass Partner:innen über Nacht bleiben dürfen? So gab es eine Menge neuer Diskussionsthemen, die sich aber letztendlich doch haben klären lassen, zumal es mir wieder möglich war mich über diese Dinge mit Kolleg:innen zu beraten.

Alles in allem hat es sich für mich auf jeden Fall gelohnt, das zivile Engagement in der Wohngruppe zu machen. Weiterhin fast täglich länger auf der Arbeit bleiben kann ich mir erstmal nicht vorstellen, jedoch habe ich zu den Bewohner:innen eine viel bessere Beziehung aufgebaut und bin mit einigen von ihnen, die inzwischen ausgezogen sind, weiterhin regelmäßig in Kontakt. Bisher nur telefonisch, aber das eine oder andere Treffen wird sicher auch noch zu Stande kommen.

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