Pflanz die Wand an

Abschlussbericht von Fenna und Laszlo

Zu Beginn der zweiten Projektphase haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, welches Thema wir behandeln und ggf. umsetzen möchten. Nach einigen Brainstorming-Sessions in dem Café unserer Wahl konnten wir uns zunächst auf das Thema Fassadenbegrünung einigen.

Fassadenbegrünung – vielversprechende Zukunftsmusik

Die zahlreichen und vielfältigen ökologischen und städtebaulichen Vorteile dieser Begrünungsform schienen uns in Hamburg bisher viel zu wenig genutzt. Denn grüne Fassaden dienen nicht nur als CO2-Speicher, Feinstaubbinder, Schallschutz oder natürliche Gebäudedämmung, sondern schaffen zusätzlich neue Lebensräume für wichtige und bedrohte Arten. Sie können somit einen wichtigen Beitrag zur Steigerung städtischer Lebensqualität und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels leisten. Wir sahen und sehen hierin also ein großes Potential, um mit vergleichsweise geringem Aufwand einen hohen Beitrag für den Klimaschutz leisten zu können und nahmen das Thema in den Fokus unserer Projektarbeit. Je mehr wir recherchierten und je mehr Gespräche wir mit Verwandten und Bekannten führten, desto mehr wurden wir darin bestätigt mit dieser Thematik einen Nerv getroffen zu haben.

Interviewreihe

Um in der Folge jedoch detaillierter in die verschiedenen Umsetzungsformen, die städtischen Fördermöglichkeiten und die möglichen bestehenden Bedenken einsteigen zu können, suchten wir nach Expert*innen für ein Gespräch. Vor allem ging es uns darum herauszufinden, an welcher Stelle wir mit unserem Projekt ansetzen könnten, um die Umsetzung von Fassadenbegrünung in Hamburg zu fördern. Die hohe Resonanz auf die Interviewanfragen bestärkte uns zunächst in der Wahl des Themas. Denn von insgesamt neun Anfragen wurden sechs bestätigt (eins davon steht noch aus). Die zentralen Inhalte dieser Gespräche sollen im Folgenden in Kürze zusammengefasst werden:

  1. Das erste Gespräch führten wir mit einem privaten Wohnungseigentümer, der seinen Balkon in eine grünen Oase verwandelt hat. Eine zentrale Erkenntnis des Gespräches war für uns, dass Begrünungsprojekte sehr förderlich für die Kommunikation innerhalb ihrer jeweiligen Umgebung sein können. Entgegen anfänglicher Befürchtungen, dass der wilde Bewuchs des Balkons eine abschottende Wirkung haben könnte, erzählte unser Gesprächspartner von zahlreichen neuen Bekanntschaften und Gesprächen, die sich direkt oder indirekt aus der auffälligen Begrünung ergaben.
  2. Das zweite Gespräch hatten wir mit einem führenden Anbieter für Fassadenbegrünung. In einem offenen Gespräch unterhielten wir uns über verschiedene technische Umsetzungsformen, mögliche Kosten und Probleme sowie bestehende Projekte. Nach diesem Gespräch entschlossen wir uns den Fokus unseres Projektes zunächst auf die kostengünstigere und simplere Form der bodengebundenen Fassadenbegrünung zu legen.
  3. Das dritte Interview führten wir mit der zuständigen Ansprechpartnerin der BUKEA (Behörde für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Agrarwirtschaft). Auch dieses Gespräch war sehr hilfreich und bestärkte uns in der Wahl des Themas. Zentrale Erkenntnisse bestanden darin, dass die Implementierung des städtischen Förderprojektes erst in diesem Jahr angelaufen war und man auf Grund von Erfahrungswerten davon ausging, dass es einige Zeit dauern könnte, bis es weitreichend angenommen und umgesetzt würde. Umso wichtiger sei eine gute und breite Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an.
  4. In einem weiteren Gespräch tauschten wir uns mit einer Wohnungsbaugenossenschaft aus. Daraus nahmen wir vor allem mit, dass wir noch tiefer in die technischen Umsetzungen der verschiedenen Begrünungsformen einsteigen müssen, um möglichen baulichen Bedenken seriös entgegensteuern zu können. Zudem spielt selbstverständlich auch der Faktor Wirtschaftlichkeit eine zentrale Rolle in den Überlegungen der umsetzenden Zielgruppe, sodass hierfür genügend Platz in der Kommunikation gegenüber Eigentümer*innen und Bauunternehmen eingeräumt werden muss.
  5. Ein fünftes Gespräch führten wir mit einer Professorin der HCU, die uns von einigen gemeinnützigen und integrativen Begrünungsprojekten erzählte, mit denen wir uns in Zukunft austauschen und möglicherweise Kooperationen anstreben könnten.

Grundsätzlich waren sich alle Gesprächspartner*innen einig, dass in der aktuellen Phase vor allem Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung, bestenfalls über strahlkräftige Pilotprojekte, hilfreich wäre. Dabei sollte sich die ÖA nicht nur an die umsetzende Zielgruppe richten, sondern auch auf eine breitere Aufmerksamkeit innerhalb der Zivilgesellschaft abzielen, um über die vielfältigen ökologischen und sozialen Vorteile aufzuklären. Gleichzeitig müssen jedoch auch die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten thematisiert werden, um möglichen Bedenken offen entgegenzutreten.

Wie es nun weitergeht mit unserer grünen Utopie

Nach zahlreichen weiteren Recherche- und Brainstorming-Einheiten sowie (viel zu großen) Ideen und grünen Utopien, haben wir uns zunächst darauf geeinigt einen übersichtlichen Flyer zu entwerfen, um über visuelle Mittel die Lust auf eine grünere Stadt zu wecken. Mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen möchten wir bekannte Gebäude der Stadt begrünen und so zunächst einen emotionalen Zugang zu der Thematik schaffen. Darauf aufbauend könnte in der Folge vertiefende Aufklärungsarbeit über Flyer, Blogs, Social Media o.ä. geleistet werden. Dies ist also der Punkt, an dem wir gerade ein wenig feststecken. Die anfängliche Euphorie nach den Interviews ist etwas verflogen und der Semesteralltag hat uns eingeholt. Dennoch sind wir weiterhin der Überzeugung, dass das Projekt sich am Puls der Zeit bewegt und einen positiven, lokalen Beitrag zu dem größten globalen Problem unserer Zeit leisten kann.

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