Wie sich Tandems unter Corona treffen

Beitrag von Lea

Mein erstes Treffen mit meinem Mentee und unserer Ansprechperson von Basis und Woge war am 19. Dezember. Wir haben uns dafür aufgrund der Corona Situation in Planten un Blomen getroffen. Das Treffen war sehr entspannt. Bettina hat uns noch einmal alles erklärt, mein Mentee und ich haben uns gegenseitig vorgestellt und ein bisschen etwas von uns erzählt. Zum Schluss haben wir Nummern ausgetauscht.

Da ich Treffen in reallife vor allem zum Kennenlernen persönlicher finde und mein Mentee auch damit einverstanden war, haben wir uns in der Woche darauf zum Spazierengehen an den Landungsbrücken getroffen. Zwischendurch haben wir immer wieder auf WhatsApp kommuniziert und einmal – als ich nicht in Hamburg war – telefoniert. Dabei ist mir aufgefallen, dass besonders die Kommunikation schwierig ist. Schriftlich ist sein deutsch schon recht gut, weshalb die Kommunikation über WhatsApp kein Problem ist. Im Gespräch kommt es bei uns immer wieder zu Missverständnissen oder wir verstehen nicht immer ganz, was der jeweils andere meint. Aus diesem Grund war besonders das Telefonat eine Herausforderung, da zudem die Mimik und Gestik noch gefehlt haben. Nächstes Mal wäre ein Videoanruf oder Zoom-Meeting wahrscheinlich besser.

Am 10.01. waren wir noch einmal gemeinsam spazieren. Die Kommunikation war da schon etwas besser und mein Mentee hat sich auch ein bisschen mehr geöffnet, mehr nachgefragt und mehr erzählt (vor allem als wir über Essen gesprochen haben).

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Kommunikation am schwierigsten ist. Trotz aller Schwierigkeiten verstehen wir uns meistens und mit der Zeit wird das bestimmt auch besser.  

Eine weitere Herausforderung ist zudem die Corona-Situation. Aufgrund der aktuellen Lage kann man nicht viel gemeinsam unternehmen oder zusammen erleben. Das macht das Kennenlernen und wahrscheinlich auch die Kommunikation etwas schwieriger. Und im Winter kann man sich natürlich auch nicht ewig draußen aufhalten, da es irgendwann zu kalt wird.

Das nächste Mal treffen wir uns wahrscheinlich dieses Wochenende und kochen dann vielleicht etwas zusammen.  

Nächste Sitzung am 19. Januar 2021

Hallo zusammen!

Ein frohes Neues Jahr noch – falls wir uns nicht schon gelesen oder gehört haben. Gute Gesundheit und jede Menge Energiereserven wünsche ich euch für 2021!

Wir sehen uns kommende Woche, am 19. Januar wieder via Zoom (https://uni-hamburg.zoom.us/j/96711705215, Meeting-ID: 967 1170 5215) – mit zwei Inputs zur Arbeit mit Kindern und jungen Erwachsenen: Svenja berichtet von ihrem Engagement bei SchlauFox e.V. und Antonia gibt einen Einblick in ihre Arbeit im Projekt [U25] von IN VIA e.V. – Suizidprävention. Bringt gerne Fragen an die Referentinnen mit.

Vielen Dank für die Einsendung eurer Zwischenberichte. Alex und ich haben auf dem Blog inzwischen die Projekte-Seite überarbeitet und eure Texte hochgeladen. Schaut euch gern auch mal die Berichte der Kommiliton*innen an: https://civic-engagement.blogs.uni-hamburg.de/engagementprojekte-wise-20-21/

Wenn ihr für euer Projekt ein anderes Kachelbild bevorzugt, schickt uns dieses gerne zu. Wir haben einfach Bilder aus unserem Fundus gewählt.

Am 19. Januar gehen wir wie angekündigt außerdem auf das Thema Gemeinnützigkeit ein. Bitte denkt in diesem Zusammenhang an die Rechercheaufgabe, die wir auf drei Gruppen verteilt hatten:

Gruppe 1: Was bedeutet Gemeinnützigkeit oder gemeinnützig? (Viktoria)
Gruppe 2: Was fällt nicht unter Gemeinnützigkeit? (Hannah, Jasmin, Lea, Julianne, Laura, Paula)
Gruppe 3: Was ändert sich im Gemeinnützigkeitsrecht zum Jahresende? (Jana, Svenja, Hanna B., Hanna S., Antonia, Luisa)

Eine flotte Woche euch!

Herzlich
Cornelia

Die unüberwindbar scheinende Widersprüchlichkeit unseres Lebens

Beitrag von Madeleine Lauw

Es ist der Mittwoch vor Heiligabend. Ich bin auf dem 3-minütigen Fußweg von meiner Wohnung zur St. Georg-Kirche und ziehe meine Kapuze tiefer ins Gesicht, um mich vor dem Schneeregen zu schützen, der mich von allen Seiten anzugreifen scheint. Die Suppengruppe hat Dank des unermüdlichen Einsatzes des organisatorischen Kopfes der Gruppe eine Sonderausgabe auf die Beine gestellt, denn 2020 fallen der erste Weihnachtsfeiertag und Neujahr auf einen Freitag, also den Tag der Lebensmittelausgabe, sodass kurzerhand umdisponiert wurde. Wir hatten etwas Sorge, dass sich die Terminverschiebung von Freitag auf Mittwoch nicht so wirklich herumsprechen würde, doch bereits zwei Stunden vor Ausgabebeginn formiert sich eine Schlange an wartenden Gästen vor der St. Georg-Kirche.

Ich bin nun seit fast einem halben Jahr in der Suppengruppe tätig – ich kenne nun die meisten Gesichter und Namen meiner Kolleg*innen und viele Gesichter und die dazugehörigen Essensgewohnheiten und -geschmäcker, jedoch wenige Namen der Gäste. Ich kenne die Arbeitsschritte und -strukturen und habe die Corona-Richtlinien verinnerlicht, auf die wir während der Vorbereitung und während der Ausgabe achten müssen. Vielleicht kommt mir deswegen – weil nun mehr Zeit bleibt, um auf andere Sachen zu achten -, vielleicht auch weil ich selbst die nasse Kälte in den Knochen spüre, ein Gedanke in den Sinn, der mir zwar nicht neu ist, mich aber immer wieder aufs Neue einnimmt und mich ungläubig den Kopf schütteln lässt: Kein Mensch sollte 2 Stunden im Schneeregen anstehen müssen, um seine oder ihre rudimentäre Lebensmittelversorgung sichern zu können.

Was macht man mit einem solchen Gedanken? Ich stehe heute, an diesem Mittwoch vor Heiligabend, am Ende der Lebensmittelausgabe: Süßigkeiten. Die Tafel hat uns diesmal reichlich beliefert, wie so oft vor den Weihnachtsfeiertagen sind die Supermärkte voll. Es gibt grünen und weißen Spargel, isländischen Skyr-Joghurt in rauen Mengen und bei mir, in meiner Abteilung, eine ganze Palette an Lindt-Weihnachtsmännern. Kartoffeln sind hingegen Mangelware: Jeder Gast darf sich 4 aus der Kiste greifen, „damit alle etwas abbekommen“ – am Ende reicht es doch nicht. Ich hoffe, dass ich den Gästen mit den Weihnachtsmännern Freude bereiten kann und fühle mich gleichzeitig schäbig. Später werde ich eine warme Dusche nehmen und den Abend mit einem Buch in meinem warmen Bett verbringen.

Tandem mit einem Mädchen aus dem Iran

Zwischenbericht von Julianne Juanitas

Mein Einstieg in das Engagement verlief zuerst super schnell und einfach. Nach einem Anruf bei der Flüchtlingshilfe Harvestehude und einem ausführlichem Gespräch über das Patenschaftsprojekt, einer kleinen Vorstellung meinerseits und meines Tandem-Partners, hieß es, dass die Lehrerin des Jungen sich nun mit mir in Kontakt setzen werde und ich dann alles weitere mit ihr abklären könnte. Dies alles war Anfang November 2020.

Tja, so einfach und schnell das alles schien, war es leider doch nicht. Nach vermehrten unbeantworteten Emails und Anrufen an die Organisation, wann sich die Lehrerin denn melden würde, bekam ich Ende Dezember endlich einen Rückruf. Leider haben sie nichts mehr von ihr gehört und konnten daher den Jungen nicht vermitteln. Dennoch hatte die Organisation ein anderes Mädchen, Jasmin, 18 Jahre alt, geflohen aus dem Iran, die auch noch eine*n Patin*en suchte. Natürlich habe ich nicht gezögert und direkt zugesagt. Jasmins Deutschlehrer hatte sie an die Organisation vermittelt und wollte daher erstmal ein kurzes Gespräch mit mir führen. Angeblich hätte er schon ein paar Erfahrungen gemacht mit älteren Damen, die diese Patenschaft mehr für sich und ihr Mehrwertgefühl gemacht haben und dadurch leicht übergriffig wurden, indem sie sich zu sehr in Privates eingemischt hatten. 

Nach einem nettem Gespräch mit dem Deutschlehrer habe ich Jasmins Kontaktdaten bekommen und er ihr meine weitergeschickt. Jasmin hat sich danach direkt bei mir gemeldet und wir haben uns verabredet für einen Spaziergang an der Alster für den 20.12.2020.  

Das Treffen verlief super und wir haben uns sehr gut verstanden. So gut, dass uns die Kälte egal war und wir ganze vier Stunden spazieren waren. Jasmin hat mir direkt von Anfang an sehr viel über sich und ihre Lebensgeschichte erzählt. Selbst sehr persönliche, traumatische Erlebnisse. Ich habe ihrerseits direkt eine tiefe Vertrautheit empfunden und ich fand es schön, dass sie mir diesen Vertrauensvorschuss gab. Ihr ist es wichtig, dass ich sie so gut es geht kennenlerne und dazu gehöre nunmal ihre Geschichte. Dieses Treffen und dieser Vertrauensvorschuss ist meiner Meinung nach ein schöner Erfolg , auf dem man sehr gut aufbauen kann.

Obwohl sie erst seit August 2020 in Deutschland ist, ist ihr Deutsch sehr klar und fast fehlerfrei, sie ist sehr ehrgeizig ihre Ziele zu erreichen. 

Zudem möchte sie ihren 8-jährigen Bruder  nach Deutschland holen, der tragischerweise immer noch in einem Kinderheim in Griechenland ist. Um dies zu schaffen, muss sie einen Ausbildungsplatz nachweisen können, mit geregeltem Einkommen und einer festen Bleibe. Ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau fängt sie deshalb ab Februar an. Ich finde es unglaublich inspirierend, wie sie es meistert, mit so einem harten Schicksal trotzdem noch so eine unfassbar ambitionierte, starke Person zu sein, die sich von nichts und niemandem runterziehen lässt. Auch ich kann noch sehr viel von ihr lernen und bin sehr gespannt, wie sich die Tandembeziehung weiterentwickelt.

So langsam geht es ans Eingemachte

Zwischenbericht von Luisa und Paula

Wenn wir daran zurückdenken, dass wir zu Beginn des Projektes erst einmal ausloten mussten, welchem Themenschwerpunkt wir uns in welcher Form nähern möchten, freuen wir uns sehr darüber, dass wir inzwischen konkrete Pläne entwickelt haben. Diese warten nur darauf in den kommenden Wochen in die Tat umgesetzt zu werden. Seit unseren letzten Einträgen haben wir uns im Team mit den Herausforderungen und Fragen auseinandergesetzt, die die Kulturbranche momentan beschäftigen. Aus unseren Recherchen sind drei Essays entstanden, von denen zwei hier auf dem Blog zu finden sind.

Luisa: In meinem Text beschäftige ich mich mit der Frage “Wie hat Corona das Leben von Künstler*innen und Kulturschaffenden verändert?“. Bei meiner Recherche wurde mir schnell klar, dass nahezu jeder Berufszweig in der Kulturbranche schwer von der Krise getroffen ist, und die damit verbundenen Herausforderungen weit über finanzielle Probleme hinausgehen. Denn durch die unzähligen abgesagten Veranstaltungen, die zahlreichen verschobenen oder gestrichenen Projekte, ohne das Publikum, ohne den Applaus, die Euphorie der Menge, ohne das Zusammenkommen von Menschen, fehlt vielen in dieser Zeit ein bedeutender Teil ihrer Identität.

Paula: In meinem Essay beleuchte ich die Bedeutung von „Systemrelevanz“ in der aktuellen COVID-Krise und diskutiere, inwieweit Kunst und Kultur „systemrelevant“ sind. In der Vorbereitung des Essays bin ich auf viele spannende Aspekte gestoßen, die mich dazu anregten, die (Stellen)Werte bestimmter Akteur*innen in unserer Gesellschaft zu hinterfragen. Wie können wir unsere Welt in „systemrelevant“ und „entbehrlich“ unterteilen, wenn die Krise so deutliche Schwächen des zu rettenden Systems offenbart hat? Ich frage mich manchmal, ob unser System vielleicht selbst mal einen Relevanzcheck vertragen könnte und hoffe, dass die Krise als Chance für Veränderung wahrgenommen wird. Den Bogen von hier zurück zur Kultur zu spannen, ist einfach, denn wie mein Gedankenkarussell zeigt, sind Kunst und Kultur genau deswegen so relevant, weil sie neue Gedanken anregen und Raum zur Selbstreflektion und Verarbeitung bieten. Lest gerne den ganzen Text auf dem Blog: Sind Kunst und Kultur „systemrelevant“?

„So langsam geht es ans Eingemachte“ weiterlesen

Über den Tellerrand Kochen und Tandem-Projekt Hamburg – zwei Projekte mit und für Menschen mit Fluchterfahrung

Zwischenbericht von Hanna S.

Für beide Projekte, Tandem und Über den Tellerrand Kochen, war es jeweils ein ganz schöner und stimmungsvoller Jahresausklang. Natürlich immer im Kontext der Coronasituation gesehen, in der viele Dinge nicht so ohne weiteres möglich waren bzw. sind. Aber wir haben jeweils das Beste draus gemacht!

Jahresrückblick 2020: Tandem-Highlights
Insta-Story: Punsch kochen

In der Woche vor Weihnachten hat uns außerdem die gute Nachricht erreicht, dass die Förderung für das Tandem-Projekt auch 2021 weiter geht. Besonders gefreut hat mich auch, dass wir im Dezember noch einige Patenschaften vermitteln konnten, unter anderem mit Mentor*innen aus diesem Seminar. Die ersten Eindrücke verliefen positiv und ich hoffe natürlich, dass es sich so auch weiterentwickelt 🙂

Zum Jahresabschluss hatten meine Projektkollegin und ich noch eine kleine Bildergalerie mit Highlights aus 2020 zusammengestellt. Das hat richtig gutgetan, sich die vielen positiven Momente und Erfolge nochmal zu vergegenwärtigen, die es in diesem außergewöhnlichen und ja auch sehr schwierigen Jahr gab. In der jetzigen Woche haben wir die Arbeit wieder aufgenommen und ich bin sehr gespannt, was das neue Jahr alles bringen wird. Wir bleiben trotz des aktuellen Lockdowns weiterhin zuversichtlich.

Punsch-Rezept

Bei Über den Tellerrand sind wir zwar auch grundsätzlich optimistisch, aber es bleibt ambivalent. Es macht sich schon deutlich bemerkbar, dass das gemeinsame Kochen und sich in echt treffen fehlen und dass viele kein Interesse an den Online-Alternativen haben. Andererseits sind dadurch auch wieder neue Teilnehmer*innen dazu gekommen, zum Teil auch aus anderen Städten und Ländern. So zum Beispiel beim Online-Punschkochkurs-Sprachcafé am 4. Advent, das ich mit einer anderen Ehrenamtlichen zusammen moderiert habe. Ich glaube, wir waren insgesamt 10 oder 12 Leute, davon haben nur zwei live mitgekocht 😉 Aber ein gemütlicher Nachmittag war es trotzdem und anschließend ergaben sich einige schöne Gespräche. Was ja auch die eigentliche Idee des Formats ist, Gelegenheit zum Deutsch sprechen und sich auszutauschen. Ein kleines Highlight fand ich außerdem das Überraschungspäckchen, das alle Ehrenamtlichen von unserer hauptamtlichen Projektkoordinatorin zu Weihnachten per Post bekommen haben.

Kleines Dankeschön für die Ehrenamtlichen

Ein motivierendes Dankeschön und ein schönes Gefühl, auch in dieser seltsamen Zeit Teil einer so tollen Community zu sein. Nächste Woche treffen wir uns zum 1. virtuellen Team-Treffen in 2021 und ich bin gespannt, was wir im neuen Jahr gemeinsam auf die Beine stellen werden.

Tandem – gar nicht so einfach

Zwischenbericht von Anna Schiefer

Nach dem ich einen Tandempartner zugeteilt bekommen habe, hatte ich ein sehr gutes erst Gespräch mit einer jungen Frau und ihrem Mann. Da sie leider noch gar kein Deutsch sprach, musste er übersetzen. Er ist sehr freundlich und beide haben eine unglaublich freundliche Art. Er erzählte mir, dass sie die Wohnung nicht verlässt, wenn er nicht da ist, weil sie Angst hat sich nicht zurechtfinden.

Wie beklemmend, denke ich, doch was weiß ich schon, wie es ist völlig ohne eigene Hilfsmittel in einem Land zu wohnen, welches solch andersartige Strukturen aufwirft. Ich erinnere mich an meine Reise nach Japan, wo kaum jemensch Englisch sprach und die Leute mir versuchten wild gestikulierend den Weg zu erklären. Ich war völlig abgehängt von dieser Gesellschaft und es war unglaublich schwer einen Anschluss zu finden.  

Nachdem ihr Mann mir sehr deutlich gesagt hatte, dass sie ein Kopftuch tragen muss, wenn wir uns mit anderen Personen treffen oder die Wohnung verlassen würden, habe ich mich selbst sehr schnell bei einem unglaublich schlimmen Vorurteil erwischt, er würde sie unterdrücken. Ich konnte nicht nachfragen, ob das ihr Wille oder seiner war und ich fände diese Frage auch äußerst unverschämt. Das hat mich sehr schockiert und geärgert. Ich, die ja angeblich so offen, so links, so informiert und so unvoreingenommen ist, muss sich jetzt mit den allgegenwärtigen Vorurteilen, die ich ja angeblich abgelegt habe, auseinandersetzen.

Das hat mich unglaublich geärgert und mir sehr zu denken gegeben. Direkt habe ich die Angst verspürt, mit ihm aneinanderzugeraten. Mir ist das selbstbestimmte Leben von Frauen unglaublich wichtig, ich werde wütend, wenn sich eine Freundin von irgendeinem Mann etwas vorschreiben lässt. Erschreckend, wie weit eine Aussage meine Gedanken treibt, wie einfach meine Denkmuster mich austricksen können.

Man muss stets wachsam bleiben, um seinen Gedanken auf die Schliche zu kommen und sie bearbeiten. Diese Arbeit muss kontinuierlich auf die eigenen Verhaltensmuster angewandt werden, um nicht voreingenommen zu interagieren. Ich fühle mich schuldig, wie dreist ist es denn nach einem Gespräch über solche Dinge urteilen zu wollen. Ich habe mich da gar nicht einzumischen! Dafür bin ich nicht da, dafür ist die Bindung nicht da und es ist nicht mein Recht. Das ist Diskriminierung!

Daraufhin habe ich mich an Freunde gewandt, die selbst Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht haben. Mein Ärger ist schnell vergangen. Denn schon dass ich mich dieser Gedanken schäme, sagten sie, sei gut, wichtig und helfe mir mich mit meinen eignen Vorurteilen und meinem eigenen Rassismus zu beschäftigen. Wir weißen Menschen sind ja meist angeblich nicht rassistisch und haben natürlich auch keine Vorurteile. Damit konfrontiert zu werden und sich der eigenen Denk- und Bewertungsmuster bewusst zu werden gibt mir die wertvolle Möglichkeit mich mit meiner (weißen) Arroganz und meinem Selbstbild auseinanderzusetzen, mir dieser besser bewusst zu werden und daran zu arbeiten.

Nach dem Gespräch haben wir angefangen ein wenig über WhatsApp zu schreiben. Sie startete mit Fragen über meine Familie und ich frage mich, was das wohl in ihr auslöst über ihre zusprechen. Macht sie sich Sorgen? Wie ist das wohl so weit von den Liebsten weg zu sein? Wie weit kann ich mit meinen Fragen gehen? Ich weiß ja gar nicht, was sie erlebt hat. Geschweige denn, was das in ihr hervorruft.

Leider war ihr das Ganze etwas zu viel, da sie zur Zeit auch noch keinen Deutschkurs belegen kann und dann hat sie sich nicht mehr gemeldet. Frustrierend, aber verständlich. So gerne hätte ich sie unterstützt, auch wenn es schwer geworden wäre, aber ich kann niemandem helfen, der meine Hilfe nicht annehmen kann oder will. Nun warte ich darauf, dass ich einen neuen Termin für ein Gespräch mit einer anderen Person bekomme. Ich werde weiterhin an den Sprachcafés teilnehmen, die das Tandemprojekt zusätzlich anbietet.

Es tut sich während der Pandemie überall recht wenig, so fühlt es sich zumindest an. Es ist schwer zu helfen, und das Paradoxe ist, es ist nicht so, dass die Hilfe nicht angeboten würde, sie wird gehindert. Teils aus verständlichen und teils aus unverständlichen Gründen. Es umhüllt mich das Gefühl, dass der Staat nicht mehr für die Grundsicherung der Bevölkerung da ist, sondern für die Grundsicherheit der Privilegierten und der großen Firmen d.h. der Wirtschaft. Also muss sich die Bevölkerung wieder neue Wege ausdenken, um nicht vom Schiff zu fallen und am besten noch andere mit hochzuziehen.

Projekt [U25]

Zwischenbericht von Antonia

Als ich bei [U25] anfing, ging es mit der Ausbildung zur Krisenberater*in los. Diese erstreckte sich über 10 Termine in einem Zeitraum von einem halben Jahr. In dieser Zeit lernte ich viel über das Thema Suizid, seine psychischen Komponenten wie z.B. das Präsuizidale Syndrom nach Ringel und natürlich die eigentliche Mailberatung mitsamt ihrem rechtlichen Rahmen. Vor allem den Wert der Anonymität lernten wir kennen und ich persönlich im weiteren Verlauf der Arbeit zu schätzen.

Nach der Ausbildung fing ich im Januar 2020 Stück für Stück an Kontakte aufzunehmen. Ich erfuhr, wie es ist auf eine erste Antwort-Mail keine Rückmeldung zu erhalten, als auch wie sich eine tatsächliche Form der Beziehung über die Wochen aufbaut. Wie man sich über Briefe kennenlernt und welchen Wert die Arbeit bei [U25] für die jungen Menschen hat, die sich beim Projekt melden.

Die ersten Mails waren eine Herausforderung: Ich wusste noch nicht, wie ich für mich selbst am besten vorgehen kann und machte mir natürlich Gedanken, wie das Geschriebene auf der anderen Seite ankommt. Mit der Zeit lernte ich mich sich selbst darin kennen und erfuhr durch viel Feedback, worauf es ankommt. Natürlich steigt auch das Vertrauen zu der jeweiligen Beratungsbeziehung, sodass sich auf eine Art eine eigene Sprache miteinander entwickelt. Vor nicht allzu langer Zeit erfuhr ich auch, wie es sich als Beratende anfühlen kann, von einem längeren Kontakt eine Suizidankündigung zu erhalten und auch von Suizidversuchen zu erfahren. Es war herausfordernd, aber es war sehr schön den Halt und die direkte unmittelbare Unterstützung des Teams zu erfahren. Ein sehr wichtiger Teil der Mailberatung ist die Abgrenzung und die Selbstfürsorge.

Dabei ist besonders die Supervision hilfreich und ermutigend. Im Team besprechen wir unsere Kontakte, Fragen, teilen Schönes und Schwieriges. Dieses Zusammensein stärkt sehr und gibt mir immer mehr Selbstvertrauen in der Beratung. Durch den Austausch über die Erfahrungswerte der anderen Ehrenamtlichen lernte ich weiter unglaublich viel und die unterschiedlichsten Perspektiven kennen.

Vor Kurzem, im November 2020, durfte ich bei einem Zeitschriftenartikel über [U25] mitwirken. Der Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe des Veto – Magazin für Protest und Verantwortung. Diese Erfahrung war unglaublich spannend und lehrreich. Es ist sehr schön mitzuerleben, dass eine so wichtige Arbeit wie die von [U25] ein breites Publikum bekommt und bekannter wird.

#Mitmachaktion: Die REGEL-REGEL

Heute möchte ich euch zu einer Mitmachaktion einladen, die Sonya Labidi (Projekt UWE – Unterstützung wohnungsloser Erwachsener) vor zwei Jahren mal in einem meiner Seminare vorgestellt hat: Die Regel-Regel.

Grafik: Die Regel-Regel

Das Prinzip ist ganz einfach: Personen, die menstruieren, sind monatlich auf Hygieneprodukte angewiesen. Die Idee der Regel-Regel ist, dass jede Person, die sich diese Produkte ohne Weiteres leisten kann, jeweils für eine wohnungslose bzw. bedürftige Person eine Packung mit kauft 🙂 Entweder gibt mensch diese Packung dann persönlich an eine Person auf der Straße weiter – oder spendet sie an eine Organisation, die Hygieneprodukte annimmt und verteilt. In Hamburg eignet sich, insbesondere zu Corona-Zeiten, natürlich der Hamburger Gabenzaun e.V. am Hauptbahnhof. Auch Hanseatic Help sammelt neben Kleidung, Schlafsäcken u.a. Hygieneartikel.

Natürlich lässt sich die Regel-Regel auf alle möglichen anderen Dinge anwenden. Wenn ich mir unterwegs einen Kaffee kaufe, drück ich z.B. gerne den äquivalenten Betrag beim nächsten Mal der Person in die Hand, die mich auf der Straße um eine Spende bittet.

Und: Selbstverständlich können sich auch nicht menstruierende Personen die Regel-Regel aneignen 😉

Habt einen fröhlichen Tag!
Cornelia

PS: Die hübsche Grafik stammt von Sonya.