Abschlussbericht des Patenprojektes „Connect“ von basis & woge e.V.

Abschlussbericht von Lea

In den letzten Wochen hat sich in meinem Engagement nicht viel verändert. Mein Mentee und ich treffen uns nach wie vor einmal wöchentlich und gehen spazieren und / oder kochen gemeinsam. Die kleine Wanderung, bzw. Fahrradtour in Hamburg und Umgebung haben wir leider doch noch nicht geschafft. In der frühlingshaften Februarwoche hatte ich nicht genügend Zeit und danach war es doch sehr regnerisch an den Wochenenden. Aber das wird auf jeden Fall noch nachgeholt.

Rückblickend war es besonders zu Beginn des Semesters doch eine Herausforderung. Ein Projekt in kurzer Zeit zu finden, war schwieriger als gedacht. Da war Corona natürlich nicht von Vorteil. Auch mit den Aktivitäten war es durch Corona deutlich schwieriger, da nur wenige Tätigkeiten möglich waren Wir haben einmal ein digitales Treffen ausprobiert, da ich zu der Zeit nicht in Hamburg war. Da hatte ich aber das Gefühl, dass das meinem Mentee unangenehm war und das Gespräch war dann auch ziemlich schnell wieder vorbei. Da ich die restliche Zeit immer in Hamburg war, haben wir uns dann lieber persönlich getroffen und unter der Woche über WhatsApp kommuniziert. Ende März werde ich noch einmal den Versuch mit einem digitalen Treffen wagen. Vielleicht finde ich ein cooles Online-Spiel oder Ähnliches, das wir dann gemeinsam spielen können.

Ich muss zugeben, dass ich mir das Engagement zuerst etwas anders vorgestellt habe. Ich dachte, dass mein Mentee mehr Fragen (bzgl. der Kultur, Deutsch, …) oder Wünsche hat. Tatsächlich war das kaum der Fall. Ich hatte dann vor allem zu Beginn das Gefühl, dass von seiner Seite aus kein Interesse da ist und dass ich nicht wirklich helfen kann. Zum Teil war dieses Gefühl wahrscheinlich auch der Corona-Situation verschuldet, da die Treffen doch immer relativ ähnlich verliefen und ich ihm dann auch kaum „Neues“ zeigen konnte. Mit der Zeit hat sich mein Mentee aber ein bisschen geöffnet, was die Situation auf jeden Fall verbessert hat. Mittlerweile bin ich mir relativ sicher, dass M. auch froh ist, wenn wir uns einfach nur treffen und quatschen. Da haben mir die Erfahrungsberichte der anderen Studierenden im Seminar auf jeden Fall geholfen.

Mein Engagement werde ich auf jeden Fall weitermachen und freue mich auf den Sommer und das gute Wetter, sodass man sich länger draußen aufhalten und auch etwas mehr unternehmen kann. 

Abschlussbericht von „Start with a Friend“

Abschlussbericht von Hanna B.

Wie in meinem Blogeintrag bereits beschrieben, ist über die letzten Wochen in meinem Engagementprojekt nichts „Aufregendes“ mehr passiert. Durch die Schließung aller Einrichtungen haben wir nicht viel außer Spazierengehen und Kochen gemacht. Genauso wird es, denke ich, die nächste Zeit auch weitergehen.

Gerade letzte Woche habe ich noch eine Mail der Organisation von Start with a Friend bekommen, ob ich meine Tandempartnerschaft weiterführen möchte. Denn Start with a Friend checkt zu Beginn nach zwei Wochen, dann nach 3 Monaten und dann nach 6 Monaten, ob alles in Ordnung ist oder ob es Probleme gibt, und fragt nach, ob man die Partnerschaft fortführen möchte. Da mein Tandempartner und ich uns super verstehen, werden wir das auch tun. Trotzdem freue ich mich darauf, die Gruppenevents von Start with a Friend diesen Sommer vielleicht kennenlernen zu dürfen.

Aus dem Seminar habe ich sehr viel mitgenommen. Ich fand alle Einblicke der anderen Studierenden unfassbar interessant und lehrreich und gerade unsere Diskussionen im Anschluss wichtig. Durch das Seminar ist mir nochmal klar geworden, wie viele Möglichkeiten es tatsächlich gibt sich zu engagieren und welchen Impact bzw. wie wichtig auch nur „kleine“ Taten für die Gesellschaft sind. Ich fand es super, wie Cornelia uns immer wieder auf Möglichkeiten hingewiesen hat sich selbst zu engagieren, in verschiedene Themen eingeführt hat, Diskussion geleitet, aber auch viel Verständnis dafür gezeigt hat, dass gerade in diesem Semester eben nicht alles einwandfrei funktioniert. Gerade aus den Stunden, in denen es um Obdachlosigkeit ging, habe ich viel mitgenommen und andere Einblicke bzw. Blickwinkel erhalten. Seitdem hatte ich einige Gespräche mit Freunden über den Umgang mit Obdachlosigkeit, da mir immer wieder auffällt, dass manches Verhalten von Bekannten, aber auch von Fremden gegenüber Obdachlosen unfair und respektlos ist. Durch das Seminar wurde ich in dem Bereich auf jeden Fall nochmal stärker sensibilisiert. 

Die Prüfungsphase und das Engagement vereinen

Beitrag von Hanna B.

Seit meinem letzten Blogeintrag ist leider nicht viel Aufregendes passiert. Durch die Prüfungsphase bin ich noch immer zeitlich relativ stark eingebunden und habe nur begrenzt Zeit. Außerdem kann man natürlich zurzeit einfach nicht sehr viel machen. Meine Aktivitäten mit M. haben sich daher lediglich auf Spaziergänge beschränkt.

Wie ich in meinem letzten Blogeintrag schon geschrieben hatte, habe ich manchmal das Gefühl, dass M. denkt, ich möchte mich nicht mit ihm treffen. Das Problem wird, glaube ich, auch dadurch verstärkt, dass er noch immer auf den Beginn seines nächsten Deutschkurses warten muss und noch nicht arbeiten darf, wodurch er natürlich deutlich mehr Zeit hat als ich. Gerade über die letzten Wochen ist mir diesbezüglich bewusst geworden, dass ich einfach eine wichtige Ansprechperson für ihn bin. Mir ist aber eben auch klar geworden, dass er zwar ein Freund von mir ist, aber meine Ansprechpartner für viele Dinge eben eher meine Familie oder langjährigen Freunde sind. Und bei diesem Unterschied merke ich manchmal, dass ich mich dadurch selber unter Druck setze bzw. mir das leid tut, obwohl M. gar nichts dazu sagt oder vielleicht auch gar nicht meine Empfindung teilt. Denn er erzählt mir auch immer von anderen Freunden, mit denen er Karten spielt und sich sonst in seiner Freizeit trifft. In der letzten Zeit war es nur so, dass auch die weniger Zeit hatten und sie sich daher nur selten treffen konnten.

Bei unserem nächsten Treffen wollen wir einen Text formulieren, mit dem er sich auf Wohnungen oder auch WG-Zimmer bewerben kann, da er momentan noch in einer Unterkunft wohnt, dort aber gerne ausziehen würde, um mehr Privatsphäre zu haben.

Außerdem hat er mich zu einem Kochabend mit zwei seiner Freunde aus der Kirche eingeladen. Der eine Freund ist 82 Jahre alt und die andere Freundin 65. Sobald es also wieder möglich ist, sich mit mehreren zu treffen, freue ich mich sehr darauf, da ich mir sicher bin, dass dies ein sehr lustiges und interessantes Treffen werden könnte. 

Von „Soorum“ zu „Über den Tellerrand“

Abschlussbericht von Jasmin

Pandemiebedingt war ein Onboarding nicht möglich

Anfangs noch voller Elan und sehr motiviert, habe ich mich für das Schulaufklärungsprojekt „Soorum“ vom Magnus-Hirschfeld-Centrum als Engagement entschieden. Das Projekt befasst sich mit queer-freundlicher, nicht-heterozentrischer/-heteronormativer sexueller Aufklärung (hauptsächlich) für Schulklassen.

Ich hätte dieses so starten sollen, dass ich bei einem Seminar, das jeweils von vier bis fünf Engagierten geführt wird, teilnehme und hospitiere. Jede Veranstaltung wird von anderen Freiwilligen geleitet, die sich zur Verfügung stellen. Am Ende jedes Seminars findet eine Fragerunde statt, in der Schüler:innen, ohne Anwesenheit der Lehrkraft, Fragen jeglicher Art stellen dürfen, wodurch bestehende Vorurteile und Missverständnisse bezüglich Sexualität und Genderidentität geklärt werden können. Die Abwesenheit der Lehrperson soll für einen Safer Space sorgen, in dem die jungen Menschen sich wohlfühlen dürfen.

Leider konnte ich mich, da sich die Länge des Lockdowns nicht absehen ließ, und durch pandemiebedingte Umstände allgemein, in das Projekt noch immer nicht einbringen, wodurch ich mich, zunächst etwas betrübt, nach einem anderen Engagement erkundigt habe.

Abschlussbericht des Tandems bei Die Insel hilft e.V.

Beitrag von Luka

Meine letzten Wochen im Engagementprojekt waren sehr ruhig. Neben dem Stress und Zeitdruck den das Studium insbesondere in den Klausurenphasen mit sich bringt,bleibt wenig Zeit übrig. Wenn daneben dann noch die Arbeit fällig ist, ist der ganze Tag praktisch schon eingenommen. Trotzdem gab es sowohl Fortschritte aber auch Rückschläge in meinem Engagement. Positiv war, dass ich nach dem Kennenlernen meinem Tandem-partner noch bei den Hausaufgaben helfen können. Auch wenn dies vielleicht nicht meiner Erwartungshaltung an dieses Engagement entsprach, war ich trotzdem glücklich helfen zu können.

Im Nachhinein wurden noch einige Male Nachrichten ausgetauscht, bis ich irgendwann keine Nachrichten mehr erhielt. Wie sich herausstellt, hat mein Tandempartner seine Telefonnummer geändert. Dies ist mir aber durch Klausurstress erst relativ spät auf-gefallen. Ich hoffe trotzdem, dass wenn es einmal Fragen, Probleme oder einfach nur einen Grund zum reden gibt ich angerufen oder angeschrieben werde.

Ich denke, dass gerade zu Corona-Zeiten die Kontaktpflege und die Hilfsmöglichkeiten sehr beschränkt sind. Diese Beschränkungen verschärfen sich gerade dann noch mehr, wenn man selber viel Kontakt zu Menschen aus der Risikogruppe hat. Sowas schränkt nicht nur den Engagementort sondern auch die Art der Hilfe ein. Es ist schwierig Menschen zu helfen, wenn man diese nicht persönlich treffen kann. Aber selbst wenn man diese Hürde überwinden kann, ist es immer noch schwer eine persönliche Beziehung zu einem Menschen aufzubauen, wenn man ausschließlich auf digitale Kommunikationsmedien angewiesen ist.

Neben den schönen Erfahrungen, die ich im Engagement machen durfte, habe ich aber auch viel aus dem Modul und den Diskussionen mitgenommen. Denn gerade, weil ich in einem sehr themenfremden Studium bin, konnte ich umso mehr dazulernen. Dies hat mir geholfen, mich mehr mit dem Thema ziviles Engagement zu beschäftigen und mir die
Möglichkeit geboten, mich mehr über Probleme von Menschen, gerade hier in Deutschland, aufklären zu lassen. Besonders in meinem Gedächtnis geblieben ist das Thema der Organisation von Obdachlosenhilfen. Hier habe ich noch mal einige Einblicke bekommen, wie hier besonders unter den Corona-Bedingungen Menschen geholfen wird.

Ich denke, dass sich durch dieses Modul ein gutes Grundverständnis über das ganze Thema ziviles Engagement gebildet hat, auf dessen Grundlage sich weiter mit diesem Thema beschäftigt werden kann. Außerdem hoffe ich darauf, dass ich mit meinem Tandempartner in Kontakt bleibe und er mich kontaktiert, wenn er meine Hilfe benötigt.

Die Gründung der aMava Initiative

Beitrag von Marlene

Schon seit Jahren erzählt mir meine gute Freundin Sina über ihren Traum, ein soziales Backpacker/Hostel in Südafrika, zu eröffnen. Dies soll aber nicht nur ein Hostel werden, sondern eher eine Non-Profit Organisation, welche lokale Einwohner:innen einstellt und Arbeitsplätze in schwierigen Verhältnisse schafft. Außerdem soll es eine Art Familie für uns alle werden. Ich fand das schon immer spannend, aber auch so weit weg in der Zukunft. Und plötzlich so gegen Anfang Januar berichtete mir Sina von den Nachrichten ihrer Freund:innen aus Südafrika und der prekären Lebensverhältnisse dort. Deswegen haben Sina, ich und ca. 20 weitere liebe Menschen uns zusammengesetzt und entschieden doch schon jetzt die aMava Initiative zu gründen. aMava ist so schnell wie möglich entstanden, um unsere Freund:innen und Bekannte aus Südafrika finanziell durch eine Spendensammlung zu unterstützen und durch den Februar 2021 zu kommen. Die weiteren Ziele in der Zukunft betreffen dann die Eröffnung eines sozialen Backpacker/Hostel, Sinas Traum.

Da wir eine Gruppe von Freund:innen und Bekannten sind, lief es ziemlich schnell darauf hinaus, dass jede:r von uns sich um eine kleinere oder größere Aufgabe gekümmert hat. Innerhalb von knapp zwei Wochen haben wir nach der Gründungssitzung sowie der Sammlung aller benötigten Dokument den Verein beim Amtsgericht registriert und parallel den Spendenaufruf für den Februar gestartet. Dabei haben wir sogar mehr als die von unseren FreundInnen und Bekannten benötigten 1200 € gesammelt. Die Bereitschaft unserer Familien und Freundeskreise hat uns überrascht und schon hatten wir das Geld zusammen, um die Miete und die Essensversorgung unserer südafrikanischen FreundInnen zu decken. Wir haben vor, in der kommenden Woche den Spendenaufruf für März (durch Bürokratie und Eröffnung eines Vereinskonto etwas verspätet) zu starten. Mittlerweile stehen auch das Logo und das Layout der Spendenbriefe von aMava. In Rücksprache mit den Spendenempfänger:innen für den monatlich benötigten Betrag, werden wir weiterhin in den nächsten Monaten Spenden sammeln.

Man muss das Beste aus der jetzigen Situation herausholen

Abschlussbericht von Julianne

Ein ziemlich ungewöhnliches, neues und komisches Semester geht vorüber und hinterlässt nicht wenige Spuren… Es ist mittlerweile Alltag geworden, dass man nur noch aufsteht, sich Frühstück macht und dann den Rest des Tages am PC verbringt. Egal ob Homeoffice oder Uni, alles spielt sich nur noch in den gleichen vier Wänden ab und auch der 84028 Spaziergang ist leider keine große Abwechslung mehr. Das kratzt auf Dauer definitiv an der Motivation bzw. am Antrieb. Doch trotz all der vielen Beschränkungen und Hindernisse, die einem das Ehrenamt nicht gerade erleichtert haben, konnte ich dennoch viel für mich lernen.

Rock Your Life

Meine RYL-Mentee und ich hatten letztes Wochenende unser letztes „Training“. Die Trainings bestehen häufig aus einem Wochenende. Sie werden geleitet von Coach*innen von der Organisation, die dann ein bestimmtes Programm mit uns durchgehen. Das Wochenende wird aufgeteilt in einen gemeinsamen Tag mit Mentor*innen und Mentees und einen Tag nur mit Mentor*innen.

Diesmal waren wir nur vier Mentoring-Paare und haben uns alle online getroffen. Da meine Mentee und ich nicht viele Leute sehen und wir wenig davon hielten, uns nur online zu treffen, kam sie am Samstag zu mir und wir haben das 5h-Training zusammen durchgeführt. Es war die gleiche Coachin wie die letzten Male und deshalb direkt eine bestimmte Vertrautheit da.

Das Training war viel interessanter und lehrreicher als wir es uns beide vorgestellt hatten. Es ging hauptsächlich darum, auf unsere gemeinsame Zeit miteinander zurückzublicken und zu reflektieren, was wir in den letzten 1 ½ Jahren voneinander gelernt haben und ob wir unsere gesetzten Ziele vom Anfang auch umsetzen konnten. Außerdem ging es um die Frage, ob wir die Beziehung noch weiterführen oder ab jetzt getrennte Wege gehen wollen würden.

Gerade für mich war dieser Rückblick nochmal ein Antrieb weiterzumachen. Ich habe mich oft gefragt, ob es wirklich das richtige Ehrenamt für mich sei, da ich nie wirklich viel Veränderung gesehen habe bzw. mich sogar gefragt habe, ob sie meine Hilfe überhaupt benötigt. Doch nochmal von ihr zu hören, wieviel sie von mir in dieser Zeit lernen konnte und auch rückblickend zu sehen, wo wir gestartet haben und wo wir heute sind, hat mir die Wichtigkeit dieser Beziehung auf jeden Fall vor Augen gehalten.

Ich habe gelernt, dass viele Probleme nicht offensichtlich sein müssen und dass der Einfluss auch unterschwellig wirken kann. Durch Dinge, die für einen selbst kaum spürbar sein mögen, wie zum Beispiel das rege Zuhören, Vertrauen und durch Zuverlässigkeit, die man ihr zeigt. Schlussendlich haben wir uns beide dazu entschlossen die Mentoring-Beziehung „weiterzuführen“. Ich setze es in Anführungsstriche, weil es für uns mehr ist als nur ein Projekt oder Ehrenamt. Wir sind richtig gute Freunde geworden – wie eine große und kleine Schwester – und das ist in unseren Augen nichts, was man einfach so beenden kann oder beenden wird. Es wäre einfach nur komisch, jetzt den Kontakt zu beenden und würde sich für uns auch komplett unnatürlich anfühlen, denn unsere Beziehung geht weit über dieses „Projekt“ hinaus.

Auch der letzte Tag nur mit den Mentor*innen und der Coachin war sehr lehrreich. Für mich schien die Organisation immer sehr darauf aus, dass wir Mentor*innen wie eine Art „Retter*innen“ fungieren würden und den Mentees mit unserem vielen Wissen aus jeder Situation helfen könnten. Als seien wir fast „perfekt“ und hätten selber alles top im Griff…

Genau das war schön an dem Treffen am Sonntag: jede*r hat auch ihre*seine Probleme geteilt und es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, denn auch wir „Vorbilder Mentor*innen“ haben Probleme und sind bei Weitem nicht perfekt. Es war einfach schön mal authentischere Seiten zu hören und zu merken, dass man nicht alleine im Boot sitzt. Denn auch wenn wir anderen helfen, heißt das noch lange nicht, dass wir unser Leben komplett durchorganisiert und problemlos im Griff haben. Auch wir konnten viel von unseren Mentees lernen.

Flüchtlingshilfe Harvestehude

Meine Tandempartnerin und ich haben versucht das Beste aus der Situation zu machen und sind, wie wahrscheinlich fast alle Menschen heutzutage, viel spazieren gewesen. Ich habe ihr so gut es ging versucht, im Freien beim Deutschlernen zu helfen oder einfach nur eine gute Zuhörerin zu sein.

Zwar bin ich bereits ehrenamtlich aktiv, doch die Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung war für mich eine komplett neue und interessante Erfahrung. Deshalb haben mir die fast wöchentlichen Online-Meetings mit den anderen Ehrenamtlichen auch sehr viel gebracht. Einfach nur ihre Geschichten zu hören, mehr über ihre Erfolge/Misserfolge zu erfahren, die verschiedenen Arbeitsgruppen kennenzulernen und diese unglaublich inspirierende Hingabe für ihre Tandempartner*innen waren schon eine große Hilfe.

Wir haben uns gegenseitig viel ermuntert und versucht Lösungsansätze zu finden, wie man die Treffen bzw. das Deutschlernen etc. trotz Kontaktbeschränkungen erleichtern kann. Ich finde es zudem schade, wie sehr das Ehrenamt unter der jetzigen Situation leiden muss. Man stelle sich vor, komplett fremd und neu in einem Land zu sein, die Sprache kaum bis gar nicht zu können und dann mit all dem behördlichen, bürokratischen Kram komplett überrumpelt zu werden. Wer würde da nicht eine helfende Hand benötigen, mit dem nötigen Knowhow?

Genau dafür ist diese Tandembeziehung da und genau deshalb auch immens wichtig. Zum Beispiel gehen die Ehrenamtlichen zusammen mit ihnen zum Amt, bringen ihnen Deutsch bei, gehen auf Wohnungsbesichtigungen, Kochen einfach mal was zusammen und weichen selbst vor Gericht nicht von ihrer Seite. DAS ist für mich Integration. Genau diese Arbeit leisten die Ehrenamtlichen bei uns und das finde ich einerseits zwar sehr lobenswert, andererseits aber auch irgendwo selbstverständlich.

Dazu muss man auch sagen, dass die meisten von ihnen bereits pensioniert sind und daher diese intensive Zeit auch besser aufbringen können. Allerdings finde ich es schön zu sehen, dass sie ihre Zeit wertvoll nutzen, und zwar um Menschen zu helfen, die wirklich dringend (!) Hilfe benötigen. Genau das versuchen die Ehrenamtlichen trotz der vielen Beschränkungen weiter durchzuführen und es gelingt den meisten auch mit einigen Umständen.

Meine Tandempartnerin und ich versuchen momentan einfach nur durchzusetzen, dass sie endlich ihre Ausbildung anfangen kann, und das mit allen möglichen uns rechtlich erlaubten Mitteln. Sie ist mittlerweile einfach sehr frustriert, dass ihr nicht die Möglichkeit gewährleistet wird hier arbeiten zu können und endlich ein neues Leben anzufangen. All das obwohl sie einen Ausbildungsplatz sicher hat…

Ich merke einfach, wie hilflos und nutzlos ich mich fühle, da ich keine Ahnung habe von all dem Rechtlichen, allerdings auch immer wieder Neues dazulerne. Es ist nicht einfach, doch sie hat bereits einen sehr guten Anwalt an ihrer Seite und auch ich bin am Herumtelefonieren und versuche das Wissen und die früheren Erfahrungen der anderen Ehrenamtlichen dafür zu nutzen. Ich weiß, dass ich ihr mit dem rechtlichen Teil wenig weiterhelfen kann, allerdings weiß ich auch, dass jeder eine gute Freundin gebrauchen kann, die mit einem diese harte und nervenaufreibende Zeit durchsteht, und dafür bin ich da.

Ich freue mich jedenfalls, dass ich trotz dieser schwierigen und ungewohnten Zeit eine super Tandempartnerin und Freundin dazugewonnen habe, der ich bereits helfen kann, indem ich einfach für sie da bin und von der ich durch ihren Ehrgeiz ebenso viel für mich im Leben dazulernen konnte. Manchmal muss man einfach das Beste aus der Situation machen, Lösungswege finden und versuchen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Häufig klappt das nicht alleine, sondern vielmehr durch die Hilfe anderer. Das habe auch ich gemerkt in den Meetings, denn die Probleme gehen durchs Nichtstun leider nicht weg und die Menschen brauchen auch immer noch unsere Hilfe.

Plan B mit Mutausbrüchen

Abschlussbericht von Luisa

Das Wintersemester 2020/21 neigt sich dem Ende zu, und somit auch die Zeit im Seminar und im Engagementprojekt. Nachdem die ersten paar Monate hauptsächlich aus Gesprächen, Meetings und Planung bestanden, ging es seit Anfang des neuen Jahres und mit Beginn der Prüfungsphase auch bei „HALT! In Zeiten der Erschütterung“ in die heiße Phase.

Glücklicherweise ging unsere vorherige Planung auf und alle unsere Interviews konnten wie geplant stattfinden. Ohne Frage, es hat ein bisschen Überwindung hier und einen mittleren Mutausbruch da gebraucht, um die Interviews durchzuführen. Aber ohne ein Fünkchen Aufregung wäre das Ganze wohl auch nur halb so besonders gewesen und am Ende können wir meiner Meinung nach wirklich zufrieden mit den Ergebnissen sein.

Rückblickend bin ich sehr dankbar, für die vielen Informationen und Erfahrungen, die ich durch das Projektseminar innerhalb weniger Monate für mich mitnehmen konnte. Durch das Engagement konnte ich mit einer tollen Gruppe zusammenarbeiten (Shoutout an der Stelle an Cornelia, Lukas und Paula), ein Teil von Interviews mit echten Expert:innen der Hamburger Kulturszene sein, habe durch das Projekt die Zinnschmelze kennengelernt und mich am Tonschneiden probieren können (und dabei für mich feststellen können, dass ich in diesem Leben definitiv keine Tonfrau werde) und, und, und…

Corona hat zwar dafür gesorgt, dass ich nicht wie ursprünglich geplant in der Obdachlosenhilfe ein Engagement beginnen konnte, allerdings bin ich auch sehr zufrieden mit meinem „Plan B“ geworden und möchte die letzten Monate mit „HALT!“ nicht missen. Und obwohl das Semester und auch das Seminar nun beendet sind, bleibt es noch ein bisschen spannend, denn die Interviews brauchen noch ein wenig Zeit bis zur finalen Veröffentlichung. Ich bin schon gespannt auf die fertigen Podcasts, dann so richtig mit Jingle und allem Drum und Dran!