Über den Tellerrand Kochen und Tandem-Projekt Hamburg – zwei Projekte mit und für Menschen mit Fluchterfahrung

Beitrag von Hanna S.

Normalerweise würdet ihr jetzt hier meinen Videobeitrag aus den Wilhelmsburger Zinnwerken sehen, mit ca. 20-30 fröhlichen Menschen jeglicher Herkunft und einer langen, schön gedeckten Tafel, dazu Geschirrklappern, Lachen und Gejohle hören, zwischendurch vielleicht das leise Plopp eines Tischtennisballs und einige lustige O-Töne. „Normalerweise“ das ist ja mittlerweile das Synonym für „vor Corona“. In diesem Jahr hat sich viel verändert für das Integrations-Projekt Über den Tellerrand Kochen. Deshalb habe ich mich nun doch für einen Text-/Bildbeitrag entschieden.

Ich bin Hanna, 41, studiere seit diesem Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaft mit NF Empirische Kulturwissenschaft und bin bei „Tellerrand“ als Teil des Hamburger Orga-Teams seit knapp vier Jahren ehrenamtlich aktiv. Wir sind ein sehr bunter Haufen von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung, die „normalerweise“ an vier Standorten im Stadtgebiet regelmäßig Kochevents veranstalten, um alteingesessene und neu zugezogene Hamburger*innen aus aller Welt zusammen zu bringen. Gerne stelle ich das Projekt, das es bundesweit gibt, bei meinem Input im Februar noch ausführlicher vor.

So weit so unnormal also. Denn seit März 2020 mussten wir den Kochbetrieb einstellen und erstmal alles absagen. Schnell sind wir auf alternative Online-Formate und Social Media-Aktionen umgestiegen und haben die Sommerzeit z.B. für Picknicks und schöne Wanderungen genutzt, als sich Gruppen zumindest mit Abstand wieder treffen durften. Denn das ist ja unser eigentliches Hauptanliegen: dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Kontakte knüpfen. Corona trifft viele hart, aber besonders die, die aufgrund geringer Sprachkenntnisse oder ohne richtigen Job und ohne Familie hier ohnehin isoliert und mit nur wenig Sozialkontakt leben.

Seit November sind wir nun wieder auf Online-Events umgestiegen. Es ist definitiv nicht dasselbe wie in echt, hat aber auch seine eigenen Reize und Vorteile. Zum Beispiel schalten sich oft Leute aus ganz unterschiedlichen Orten dazu, da wir viel Werbung auf facebook und instagram machen. Wir bieten verschiedene Kochformate an wie gemeinsames Online-Dining zu einem bestimmten Thema (im November gab´s alles „Rund um Auberginen“) oder Online-Kochkurse (im November einen für „Pirozhki“, diesen Kurs moderierte ich zusammen mit meiner belarussischen Projektkollegin, und „Stollen-Backen“). Was auch sehr viel Spaß macht ist das Online-Sprachcafé, das nun wöchentlich gemeinsam mit dem Tandem-Projekt Hamburg veranstaltet wird. Dieses Mentoring-Projekt gehört wie Über den Tellerrand Kochen zum Trägerverein Die Insel Hilft e.V.

Da ich seit Juli beim Tandem eine Minijobstelle habe, lassen sich die Projekte, die ohnehin viele Schnittmengen haben, nun noch besser verbinden. Denn auch beim Tandem-Projekt geht es darum, Kontaktmöglichkeiten für Geflüchtete herzustellen und das Einleben in Hamburg zu erleichtern. Da es meistens zu wenig ehrenamtliche Mentor*innen für die 1:1 Patenschaften gibt, machen wir auch hier regelmäßig Gruppenveranstaltungen, um die Wartezeit etwas zu überbrücken. Das Online-Sprachcafé, das die hauptamtliche Projektkoordinatorin und ich erst im November eingeführt haben, wird super angenommen, das hatten wir gar nicht erwartet. Wir überlegen uns immer ein Thema, aber natürlich kann über Allesmögliche geredet werden. Schließlich geht es hauptsächlich darum, Spaß zu haben, Leute zu treffen und Deutsch zu üben ohne Druck. Auch für Projektinteressierte ist es eine gute Möglichkeit, um reinzuschnuppern.

Bei beiden Projekten geht es bis auf Weiteres mit den Online-Formaten weiter. Vor Weihnachten möchte ich noch eine „Punschkochen-Ausgabe“ des Sprachcafés machen, also eine Mischung aus Kurs und anschließender Gesprächsrunde. Das Tandem-Projekt wird von der BürgerstiftungHamburg gefördert. Ob das nächstes Jahr weiterhin so sein wird, entscheidet sich gerade. Davon abhängig ist natürlich auch mein weiteres Engagement, wobei ich davon ausgehe, auch 2021 dort arbeiten zu können. Bei Über den Tellerrand sind weitere Kochkurse schon in Planung (voraussichtlich mit syrischen Gerichten) und Anfang Januar werden wir beim Online-Teamtreffen sicher auch einiges diskutieren. Die Hoffnung ist natürlich da, in naher Zukunft wieder in echt-Angebote machen zu können. Vielleicht ja outdoor mit der neuen mobilen Küche, konzipiert ist sie auf jeden Fall schon 😊

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